Das Projekt Bahnhof Europa stellte den H√∂hepunkt unserer mehr als 10j√§hrigen internationalen Begegnungsarbeit dar. Die Ergebnisse dieser Arbeit wurden im Sommer 2002 als multimediale Kunstperformance w√§hrend einer Zugtour auf tschechischen, polnischen und deutschen Bahnh√∂fen pr√§sentiert. Mit dem Unterwegssein - dem Aufeinanderzugehen von sehr unterschiedlichen PartnerInnen konnte nicht nur symbolisch ein politisches Zeichen setzt werden. Aus den Erfahrungen des gemeinsamen Zusammenlebens Jugendlicher in der 2-j√§hrigen internationalen Werkstattarbeit in unserer Begegnungsst√§tten in Niedamir√≥w, Lemberk und Gro√ühennersdorf haben sich Chancen ergeben, welche einen langfristigen Beitrag in der Debatte zur EU-Erweiterung in der Grenzregion im Dreil√§ndereck Deutschland, Polen und Tschechien einbringen. Wir w√ľnschten uns mit dem Zug eine gr√∂√üere Akzeptanz und entsprechende Anerkennung der Bedeutung interkultureller Begegnungs- und Bildungsarbeit auf der personellen Ebene f√ľr das Zusammenwachsen unserer spezifischen Grenzregion in Europa erreichen zu k√∂nnen.

Die Ergebnisse wurden dokumentiert und in Form einer DVD zusammengefasst. Zusätzlich gibt es die Songs von Olga batikt T-Shirts auf CD und als Print gibt es die X-Doc.
Alle drei Produkte k√∂nnen auf verschiedenen Ebenen als Bildungsmaterialien eingesetzt werden oder einfach nur als Anregung f√ľr eigene Projekte benutzt werden.

Wir w√ľnschen Ihnen viel Spa√ü beim schauen, h√∂ren und lesen und freuen uns √ľber ein Feedback.


Begegnungszentrum im Dreieck e.V.
 
 
Das Land der begrenzten Unmöglichkeiten

Hier werden Schuster zu Mystikern, Philosophen zur Brauereiarbeitern, St√§dte verd√∂rfern und D√∂rfer beherbergen Theater mit Weltrenomm√©. Hier z√ľndete man Feuer an mit aus dem "Faust" herausgerissenen Seiten und trank selbstgebrannten Schnaps aus Mei√üner Porzellan. Die einen kamen ungewollt von Workuta und Wladiwostok, die anderen wollten hier f√ľr die Ewigkeit bleiben und bekamen 30 Minuten. Die Begrenztheit der Unm√∂glichkeiten.

Und auch hier konnte man, ohne sein Haus zu verlassen, in 4 Staaten und Machtsystemen leben. So wie die Familie P. aus Schatzlar. Geboren als Untergebene der KuK-Monarchie wurden sie B√ľrger der Tschechoslowakischen Republik, um sich dann im Dritten Reich wiederzufinden; ihr Leben als Rentner verbrachten sie in der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik. Die Begrenztheit der Unm√∂glichkeiten.

Und auch hier findet man deutsche Skinheads beim Jagen auf Ausländer, von polnischen Händlern mit Nazi-Reliquien versorgt und von tschechischen Prostituierten bedient. Die Begrenztheit der Unmöglichkeiten.

Und auch hier kommt in einem kleinen Dorf eine Gruppe von Leuten zusammen, die in Zeiten der Diktatur eine unabhängige Bibliothek aufbauen, und in den Bergen treffen sich Oppositionelle aus der Tschechoslowakei und Polen. Die Begrenztheit der Unmöglichkeiten.

Es ist eine faszinierende Region, Objekt der Begierde der Piasten, Habsburger und Hohenzollern. Schnittstelle der slawischen und germanischen Kultur, Ort millionenfacher Migration, politischer und kultureller Usurpation, persönlicher und gesellschaftlicher Tragödien.

Wir leben in einer in allen Bereichen sehr dynamischen Landschaft, im politischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, ökologischen. Es ist eine Dynamik, die verwirrt, desorientiert. Eine einzige heute hier lebende Generation lernte die Wirtschaft des Kriegskommunismus, den freien Markt in seiner schärfsten Form (Krise 1929), die sozialistische Planwirtschaft und soziale Marktwirtschaft kennen. Sogar die heutigen 14jährigen wurden geboren umgeben von Stacheldraht und Minenfeldern.

Die gestrigen W√§hler der SED, PVAP und KPTsch flohen aus der Diktatur, und jetzt w√ľrden sie am liebsten aus der Freiheit fliehen. Den "sozialistischen Internationalismus" ersetzten nationale Interessen. Die im Geist des Egalitarismus dressierten Gesellschaften teilten sich in Sieger und Verlierer. Die √∂konomische Zergliederung der Gesellschaft brachte √Ąngste, Xenophobie und Agressionen mit sich. Die politischen Grenzen wurden gleichzeitig zu Wohlstandsgrenzen. Diesen Prozessen und Ver√§nderungen sind die Bewohner des polnischen, tschechischen wie auch deutschen Grenzgebietes ausgesetzt. Die Perspektive der Erweiterung der Europ√§ischen Union nach Polen und Tschechien stellt die Bewohner vor neue Herausforderungen. So richtig stabilisiert haben sich nicht einmal die nach 1989 entstandenen Strukturen, da sollen schon neue entstehen.
Das Leben und Arbeiten hier verlangen neue Kompetenzen, Verst√§ndnis makro√∂konomischer Prozesse und ihres Einflusses auf die lokale Entwicklung (Globalisierung). Erscheinungen multikultureller Gesellschaften mit ihren verbundenen Chancen und Risiken m√ľssen kennen gelernt, neue Formen der P√§dagogik und Bildung gefunden werden.

Das Leben hier ist - wie Bohumil Hrabal sagte: "zum Verr√ľcktwerden sch√∂n; nicht, dass es so w√§re, aber ich sehe es so". √Ąhnlich sieht es Frank Rischer, ein neuzeitlicher Hermes. St√§ndig unterwegs √ľberbringt er Visionen, Ideen und gute Stimmung. Ein Reisender in die Vergangenheit und Zukunft, Vermittler und Katalysator. Erschaffer einer neuen Zeiteinheit: 1 Rischer (erst die Benutzung dieser Einheit erlaubt den wirklichen Zusammenhang zwischen Geschwindigkeit und dem Zeitverlauf in der Relativit√§tstheorie zu beschreiben).
Eine gef√§hrliche Pers√∂nlichkeit, ein Phantast, ein Verf√ľhrer. In seiner Art der Archetyp vieler polnischer Literaturhelden. Manchmal polnischer als wir, bis zum Schmerz.
Sehr selten trifft man jemanden, der so intensiv die kulturelle, geschichtliche und geographische Landschaft lebt. Er saugt sie auf und verändert sie.
Es gäbe dieses Projekt nicht ohne ihn. Nur er schafft es, dass sich geschätzte Familienväter Narrenkappen aufsetzen und ihre Frauen und Kinder dazu applaudieren.

Es g√§be dieses Projekt auch nicht ohne Petra, der bildgewordenen Musik von Smetana. Ihre √ľberdurchschnittliche Sensibilit√§t verbunden mit einer inneren Harmonie und konsequentem Handeln w√ľrden Immanuel Kant begeistern.

Und noch der dritte: Grzegorz, ein Typ mit recht d√ľsterem Aussehen und Brille, der ihrem gemeinsamen Wirken den Anschein der Seriosit√§t verleiht.

Grzegorz Potoczak

 
 
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